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hitec: Das große Beben – Istanbul

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Das große Beben Wissenschaft zwischen Präzision& Chaos

Wenn die Erde bebt, ist der Mensch hilflos. Im letzen Jahrhundert sind mehr als drei Millionen Menschen durch Erdbeben getötet worden. Allein beim Beben in Pakistan im Oktober 2005 starben fast 80.000. Niemand sah die Katastrophe kommen. Die Beben kommen zu schnell und jede Warnung zu spät. Doch bis heute kann sie niemand Erdbeben verlässlich vorhersagen. Dabei ist die Suche nach den Vorboten der Katastrophe überlebenswichtig.

Istanbul – MegaCity und Erdbebengebiet

Istanbul lebt mit einem sehr hohen Erdbebenrisiko. In der türkischen Metropole am Bosporus kann das große Beben jederzeit kommen. Mit offiziell mehr als 14 Millionen Einwohnern gilt Istanbul als MegaCity. Jedes Jahr wächst die Stadt um mindestens 250.000 Menschen. Niemand kennt die genauen Zahlen, und viele Wohngebäude wurden schnell und oftmals illegal errichtet. Wenn das Beben kommt, werden solche Gebäude zuerst zusammenstürzen.

Istanbul liegt an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Nur 15 Kilometer von der Stadt entfernt verläuft am Grund des Marmarameers eine geologische Störungszone. Hier treffen Kontinentalplatten aufeinander. Immer wieder in ihrer Geschichte wurde die Stadt von schweren Erdstößen heimgesucht. Das letzte große Beben bei Istanbul gab es vor 240 Jahren und die Frage drängst sich auf. wann sich die aufgestaute Spannung im Grabenbruch vor der MegaCity das nächste mal lösen wird? Auf diese Frage sucht die Wissenschaft eine Antwort.
Wissenschafter vom Geoforschungszentrum in Potsdam untersuchen zusammen mit türkischen Kollegen die Gefahren, die Istanbul durch ein großes Beben drohen. Die Antwort hoffen sie in den Tiefen der Marmarasee zu finden. Auf einer Insel im See steht eine seismologische Station des Kandilli Erdbebenforschungszentrums. Seit Jahren kooperieren dort deutschen und türkischen Wissenschaftler bei der Erforschung der „Nordanatolischen Seitenverschiebung“, die sich quer durch die gesamte Türkei zieht.

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Katastrophenschutz

Durch das Izmit-Beben 1999 wurden die Behörden aufgerüttelt. Das Beben deckte deutliche Mängel beim Katastrophenschutz und bei der Vorbereitung auf ein Desaster auf. Das soll sich ändern: 300 Schulgebäude werden zur Zeit in Istanbul baulich verstärkt. Und am Kandilli Observatorium werden täglich Schulklassen durch Erdbebensimulationen auf den Ernstfall vorbereitet. Die Kinder sollen in Theorie und Praxis ihr Verhalten bei Erdbeben durchspielen. Niemand kann ihnen die Angst vor der Katastrophe nehmen. Doch schon einfachste Verhaltensregeln könnten ihr Leben retten. Auf einem Erdbebentisch wird ein moderates Beben simuliert.
Die Vorbereitung der Bevölkerung auf das, was kommen mag, ist wichtig. Auch wenn die Bemühungen angesichts des Ausmaßes der Bedrohung wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein wirken. Und das erwartete Erdbeben der Stärke 7,5 auf der Magnitudenskala würde wahrscheinlich jede Regierung überfordern.
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In Istanbul ist die Katastrophenschutzbehörde AKOM für die Koordination im Falle eines großen Bebens zuständig. Studien belegen, dass eine gute Vorbereitung Menschenleben rettet. Bei einer optimalen Versorgung der Verletzen sollten 20 Prozent weniger Tote registriert werden. Und wenn in den nächsten 15 Jahren alle Neubauten in Istanbul die Bauvorschriften einhalten, würden 25 Prozent weniger Menschen ihr Leben verlieren. Selbst die Sanierung von lediglich fünf Prozent der schlimmsten Baumängel würden 15 Prozent weniger Todesopfer bedeuten. Katastrophenschutz funktioniert allerdings nicht nur im Großen, sondern besonders auch im Kleinen. Viele Familien haben im Garten einen Erdbeben-Container, in denen sich auch alles befindet, was man zu einem Neuanfang nach einem Beben benötigt.


Zur Photopage des Films

Und hier gibt es noch eine Slideshow aus Istanbul

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