Die Automatisierung des Krieges

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Eine Heron-1 der Bundesluftwaffe auf dem Test Airfield “En Shemer” in Israel

Forscher entwickeln zusammen mit den Militärs immer leistungsfähigere “autonome Waffensysteme”. Bis 2015 soll ein Drittel der bewaffneten Fahrzeuge und Flugzeuge der US-Armee aus Robotern bestehen.
Die eigenen Streitkräfte sollen geschützt, Feinde verstärkt aus der Ferne “eliminiert” werden. Die Aufklärung des Kampfgebietes durch Drohnen – ferngesteuerte unbemannte Flugzeuge – ist dabei eine wichtige Säule, auch für die Bundeswehr. Sie hat das deutsch-israelische Drohnensystem “Heron” geleast.

Wird das Töten immer banaler, immer leichter? Oder helfen Roboter, Menschenleben zu schützen?

Hier geht´s zum Film in der  3sat Mediathek:

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Bizeps, Trizeps & Co. – Wie unsere Muskeln unser Leben beeinflussen

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Graphik: Ezra Tsegaye

Sendedaten:

31.05.2010, 21.30 Uhr

06.06.2010, 15.55 Uhr

Die ganze Sendung “Bizeps, Trizeps & Co.” ansehen

Unser Stoffwechsel und unsere Muskeln haben sich seit 10.000 Jahren nicht verändert. Sie sind für körperliche Hochleistung ausgelegt und nicht dafür gemacht, den ganzen Tag fast ohne Bewegung zuzubringen.

Viele Menschen strengen sich nur noch selten körperlich an. Die Folge: Bluthochdruck, Depressionen, Diabetes, Fettsucht, Heuschnupfen, Krebs. Und das hat wiederum etwas mit den Muskeln zu tun. Bislang galten die 640 Muskeln im menschlichen Körper als passive Befehlsempfänger. Neue Forschungen zeigen jedoch, dass die Fasern eine weit wichtigere Rolle spielen.

Muskeln senden eine Vielzahl von größtenteils noch unerforschten Botenstoffen aus und kommunizieren mit anderen Organen. “Der menschliche Skelettmuskel ist das wichtigste Stoffwechselorgan und bestimmt die Qualität und Dauer unseres Lebens”, weiß Professor Heiko K. Strüder vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln. (weiterlesen…)

Evolution aus der Retorte: Die Auferstehung des Neandertalers?

Neandertaler

Graphik: Ezra Tsegaye

Sendedaten:

11.04.2010, 16.00 Uhr
29.03.2010, 21.30 Uhr

Neandertaler und Menschen konkurrierten um Ressourcen bei der Jagd auf Pferd, Wisent und Mammut. Den Jahrtausende andauernden Kampf um das tägliche Überleben hat der Mensch gewonnen. Unser nächster Verwandter und auch das Mammut sind schon lange ausgestorben.

Eine Forschungsreise in die Vergangenheit
Neandertaler – die ersten Europäer

Die Neandertaler-Höhle von El Sidrón ist eine bedeutende archäologische Fundstelle. Im Nordosten Spaniens lebte und starb vor etwa 50.000 Jahren eine Gruppe von Neandertalern. Die Arbeiten der Archäologen in der Höhle sind schwierig, denn der Höhlenzugang ist die Hälfte des Jahres überflutet.

1700 Knochenfragmente von Neandertalern wurden hier schon geborgen. Aus vielen Puzzleteilen ergibt sich den Wissenschaftlern langsam ein erstes Bild: Die Höhle von El Sidrón war vor tausenden von Jahren Schauplatz eines prähistorischen Massenmordes.

Wer aber war dieser mysteriöse Verwandte des Menschen wirklich? Wie sah er aus? Konnte er sprechen wie wir? Wie hat er die Welt wahrgenommen? Vieles liegt noch im Dunkeln verborgen. Doch mit immer neuen Methoden versucht die Wissenschaft mehr über die Neandertaler herauszufinden.

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Kalisalz – Der Boom des weißen Goldes

Sendung: 3sat hitec am 25.05.2009 um 21:30
Es gehört zu den meist exportierten Bodenschätzen Deutschlands: Kalisalz – die Grundlage für Dünger. Die Preise für diesen Rohstoff, dessen Bedeutung kaum jemand kennt, haben sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Abgebaut wird er unter anderem in Deutschland, in einem der größten
Bergwerke der Welt.

Das Kaliwerk im Werratal erstreckt sich untertage auf einer Fläche, die so groß ist wie München. Das “weiße Gold” wird mit riesigen Baggern gefördert. Circa 70.000 Tonnen Kalisalz werden im BergwerkWerra pro Tag abgesprengt. Zwar spürt die Kaliindustrie die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, dochder Bedarf bleibt enorm.

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Der Traum von der Kernfusion – Aufbruch in ein neues Energiezeitalter?

Das Plasmagefäss von ASDEX-Upgrade in Garching bei München

Das Plasmagefäss von ASDEX-Upgrade in Garching bei München

3sat hitec am 23. März 2009, um 21:30h

Der Film in der 3sat Mediathek als Onlinestream:

Die Suche nach hocheffizienten und umweltgerechten Energiequellen ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Seit Jahrzehnten verspricht sich eine Heerschar von Forschern die Lösung durch ein besonderes Verfahren: die Kernfusion.

Das Prinzip der Kernfusion ist von der Sonne abgeguckt.

Wenn es gelingen sollte, tatsächlich einmal Kernfusionskraftwerke zu betreiben, so die Forscher, wäre das ein Segen für die Menschheit: Energie im Überfluss. Und das Beste: die benötigten Brennstoffe, Wasserstoffisotope, gibt es in fast beliebiger Menge in den Ozeanen. Ein Kilogramm Wasserstoff würde in etwa so viel Energie liefern wie heute 11.000 Tonnen Kohle.

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Tod aus dem Labor?

Burkholderia Pseudomallei

Das tödliche Bakterium Burkholderia Pseudomallei in einer Petrischale

Ein Film von John A. Kantara

Erstausstrahlung:
01.09.2008, um 21.30 Uhr
Wiederholung:
07.09.2008, um 16.00 Uhr

Notiz von Kantara´s Küchentisch….

Link zum Film

Tod aus dem Labor?

Sieben Jahre ist es her, dass eine Anschlagserie fünf Menschen tötete, 17 verletzte und ungleich mehr Menschen in Angst und Schrecken versetzte: Todbringende Bakterien, die die Infektionskrankheit Anthrax, auch Milzbrand genannt, hervorrufen, wurden in normalen Briefen, mit der normalen Post an Journalisten und Regierungsbeamte verschickt. Der Bio-Kampfstoff kam heimlich, unverhofft und hinterhältig zu seinen Opfern.

Anfang August 2008 hat die US-Justiz in einer Indizienkette einen Angestellten eines Forschungslabors, das im Dienste der US-Regierung stand, als “einzig Verantwortlichen” festgestellt.

Durch Militärforschung für Bio-Kampfstoffe und deren Abwehr sind in solchen Laboren gefährlichere, künstliche Varianten bekannter Erreger entstanden. Viele dieser Experimente an solchen „Menschenkillern“ sind normale Versuche an amerikanischen und europäischen Universitäten. Denn, so das Argument, der Rechtsstaat müsse sich vor potenziellen Bio-Gefahren schützen. Doch seit den Anschlägen vor sieben Jahren hat es weltweit keinen weiteren Terrorangriff mit Bio-Waffen gegeben: Alles also nur Panikmache? Erst durch Forschung für Bio-Kampfstoffe und deren Abwehr sind in den Laboren gefährlichere Varianten bekannter Erreger entstanden. (weiterlesen…)

Archäologie am Meeresgrund – Expedition zur SMS Undine

Die Ostsee - Ein fast 413.000 Km2 großes Gebiet

Ein Film von John A. Kantara,

3sat hitec am 25. August 2008 um 21:30h

ZDF Mediathek: Link zum Film.

Die Ostsee: Ein fast 413.000 km2 großes Gebiet, das sich zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden und Russland erstreckt. Sie ist eines der am stärksten befahrenen Binnenmeere. Und auch ein wahrer Schiffsfriedhof. Allein während der letzten 400 Jahre sind hier mehr als 3000 Schiffe untergegangen. Damit ist die Ostsee ein ideales Forschungsgebiet für Unterwasserarchäologen.

Doch viele der gesunkenen Schiffe sind vom Zerfall bedroht. Gezeiten, Rost und Holzbohrmuscheln haben zahlreiche Wracks unwiederbringlich zerstört. Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen Archäologen und Taucher mit modernen Methoden, die Wracks zu erforschen und zu dokumentieren.

Die SMS Undine – Kriegsschiff der kaiserlichen Marine Reinhard Öser leitet in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Bodendenkmalpflege in Wismar eine Tauchexpedition zum Wrack der “SMS Undine“, die im Arkonabecken liegt. Der kleine Kreuzer galt als das modernste Schiff der deutschen Flotte. Sein Rammsporn wurde von einem aufwendigen Bugzier gekrönt, das den germanischen Wassergeist “Undine“ darstellt. Das Schiff diente im 1. Weltkrieg als Geleitschutz für Handelsschiffe und Passagierdampfer zwischen dem schwedischen Trelleborg und Saßnitz auf Rügen. Im November 1915 wurde die “Undine“ vom britischen U-Boot E19 mit 2 Torpedos versenkt. Der Verlust des ersten mit einem Kreiselkompass ausgestatteten Kriegsschiffs der kaiserlichen Marine war ein herber Schlag. 25 Seeleute fanden den Tod.

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Arie Issar – Der Quellen-Forscher

DIE ZEIT 11.08.2005


Arie Issar ist Israels Wassermann

Er verwirklicht Ben Gurions Traum: Die Wüste wird zur blühenden Landschaft. Mit der Erschließung von Wasserspeichern will Arie Issar endlich Frieden zwischen Israelis und Palästinensern stiften

Von John A. Kantara

Ein Gespräch mit Arie Issar führt immer zum Wasser. Vom Skopusberg, wo man die beste Aussicht über Jerusalem hat, zeigt er auf die engen, verwinkelten Gassen, die seine Heimatstadt zum Labyrinth machen. »Dort unten hat mein Vater Eis verkauft.« Am Ende des 19. Jahrhunderts war der religiöse Jude vor russischen Pogromen geflüchtet. Er lebte davon, in der Jerusalemer Altstadt Klumpen gefrorenen Wassers feilzubieten.

Wasser ist auch für Arie Issar das Element seines Lebens. Fast dreißig Jahre hat der Geologe und Hydrologe im Herzen der Negev-Wüste gelebt, im Zinn-Valley. Den Professor am Wüstenforschungsinstitut von Sde Boker beschäftigte eine elementare Frage: Kann Israel Wasser gewinnen, wo eigentlich kein Wasser ist?

»Schon vor 3000 Jahren bedeutete Wasser hier die Zukunft«, sagt der 78-Jährige mit den schlohweißen Haaren. Er hofft, dass das Wasser diese Rolle auch heute übernehmen kann, und kommt wieder auf seinen Vater zu sprechen. Wie der Eisverkäufer damals arbeitete, Hand in Hand mit arabischen Freunden. »Als Kind lebte ich mit unseren arabischen Nachbarn noch friedlich zusammen.« Dann gab es die ersten Aufstände, die ersten Toten, »weil die Araber versuchten, die Ansiedlung von Juden in Palästina zu verhindern«. Seit Jahrzehnten lässt der Konflikt die Region nicht zur Ruhe kommen. Der Hydrologe aber ist überzeugt, es gibt ein Rezept, diesen zu lösen: »Israels Wassertechnologie kann eine Brücke für den Frieden sein.«


Mehr als 30 Jahre hat Prof. Issar in der Wüste geforscht

Ein versalzenes Geschenk aus dem Altertum

Seit der Staatsgründung durch David Ben Gurion hat Israels Verlangen nach Wasser stetig zugenommen. Immer mehr Menschen suchen im Heiligen Land nach einer neuen Heimat. Der Visionär Ben Gurion sah die Zukunft des Staates in der Wüste Negev. Er zog nach Sde Boker, damals ein kleines Wüstenkaff zwischen Tel Aviv und Eilat. Und Arie Issar folgte seinem Idol.

»Ben Gurion wollte, dass wir Wasser in der Wüste finden, um Juden anzusiedeln. Wir waren überzeugt, dass wir dort den Siedlungsraum für unser Volk finden müssen.« Im Norden Israels waren die Pioniere bald außerordentlich erfolgreich. Dort ist es heute grün. Und Issar ist einer der Männer, die dies möglich machten. Die Brunnen, die er überall im Land ausgehoben hat, bildeten die Grundlage einer Erfolgsgeschichte. Israel steht heute im Bereich hydrologischer Technik zur landwirtschaftlichen Nutzung an der Weltspitze.

Der Süden des Landes ist immer noch staubtrocken. Flüsse wie im Norden gibt es nicht. Issars Arbeit am Wüsteninstitut wurde daher jahrelang eher belächelt. Wasser in der Wüste? Die meisten seiner Kollegen hielten dies für ein Hirngespinst.

Erst 1967 gelang ihm ein Durchbruch. Er hatte erfahren, dass man tief unter der Sahara Wasser gefunden hatte. »Wir haben im Negev die gleichen Erdschichten. Ich dachte sofort, warum sollte man es nicht auch hier versuchen?« Während des Sechstagekriegs erbeutete die israelische Armee im Sinai hinter den ägyptischen Stellungen Bohrlöcher, die zur Ölexploration tief in den Wüstenboden getrieben worden waren. Den israelischen Soldaten folgten die Wissenschaftler.

In den ägyptischen Bohrlöchern machte Issar eine erstaunliche Entdeckung. Das Wasser darin hatte die gleiche Isotopenzusammensetzung wie Quellwasser aus der Negev-Wüste, und die Daten wiesen auf ein feuchtes Klima hin. »Wir fanden Wasser, das sich schon während der letzten Eiszeit unter der Wüste gesammelt hatte.« Und diese geheimnisvolle Flüssigkeit fand sich an Orten, die Hunderte von Kilometern auseinander lagen.

Noch heute ist Issar fasziniert von diesem Geschenk aus dem Altertum. Es entstand, als Europa von Gletschern überzogen war und es in dieser Region mehr Regen gab. An der Grenze zum Sinai floss das Nass unter die Erde, von dort zum Toten und zum Roten Meer. »Überall in dieser Region können wir dieses Wasser finden. Als wir sein Alter bestimmten, kamen wir auf fast 40000 Jahre.«


Die Negev bei Sde Boker

Mehrere hundert Milliarden Kubikmeter des fossilen Regenwassers sickerten tief unter den Negev. »Trinken Sie nicht zu viel davon«, sagt Issar und lächelt. Die Salinität des brackigen Wassers entspricht einem Zehntel des Salzgehalts von Meerwasser. Bevor es in Haushalte fließen kann, muss es zur Entsalzung. Issars gigantischer Fund könnte ausreichen, den Süden des Staates 600 Jahre lang zu versorgen – mit Wasser für Mensch, Tier und Kulturpflanzen. Aber erst ein minimaler Teil dieses Brackwasservorrats unter dem Wüstenboden wird derzeit wirtschaftlich genutzt (siehe unten).

Noch holt sich Israel den Rohstoff woanders her. Das Land pumpt fast 30 Prozent seines Trinkwassers aus dem See Genezareth. Aber die Ressourcen sind fast erschöpft. Zwar erreichen die Israelis eine der höchsten Recyclingraten weltweit – 70 Prozent des Trinkwassers werden wieder verwendet –, doch der Verbrauch pro Kopf ist auch mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Der Norden und die Mitte des Landes lechzen nach neuen Quellen. Israel investiert kräftig in neue Technologien. Eine davon ist die Meerwasserentsalzung.

Die Methode ist, wegen des hohen Energieverbrauchs, die derzeit teuerste, um Trinkwasser herzustellen. Dennoch hält sie der Experte im Ruhestand für »zwingend notwendig«. Jährlich 300 bis 400 Millionen Kubikmeter – mehr als die Menge, die Israel aus den Brunnen holt – müssten in Zukunft gefördert werden. Arie Issar denkt dabei nicht nur an den großen Durst seiner Landsleute: »Auch für die Palästinenser brauchen wir mehr Wasser.«

300 Liter Trinkwasser gibt es für jeden Israeli, 60 für jeden Palästinenser

In der Nähe von Ashkelon entsteht die modernste Meerwasserentsalzungsanlage des Nahen Ostens. Sie liegt nur fünf Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt, wo 1,5 Millionen Palästinenser auf engstem Raum leben. Bis heute versorgt sich Gaza ausschließlich mit Grundwasser. Dessen Spiegel sinkt rapide. UN-Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Quellen in Gaza in den nächsten 15 Jahren versalzen. Ändert sich nicht schnell etwas, ist die nächste Katastrophe abzusehen.

Israelische Pläne sehen vor, die Kapazität der Anlage in Ashkelon beträchtlich zu erhöhen – Trinkwasser für Gaza. Doch seit die Intifada tobt, liegt das Vorhaben auf Eis. Immer wieder schlagen palästinensische Raketen auf der Baustelle ein. Herrschen Krieg und Terror, ist Wasser eben zuallererst ein Politikum und der Egoismus groß. Das zeigt auch die Lage des »Schutzwalls«, mit dem die Regierung Scharon Israel vom Westjordanland trennt. Die Sperranlage verläuft leicht östlich der Grünen Linie. Diese Waffenstillstandsmarkierung von 1967 bildet die international anerkannte Grenze zwischen Israelis und Palästinensern.

Das Ergebnis der Sharonschen Grenzversetzung: Viele der besten palästinensischen Trinkwasserquellen liegen auf der israelischen Seite der Mauer. Daher stehen jedem israelischen Siedler im Westjordanland täglich bis zu 300 Liter Trinkwasser zur Verfügung, dem Palästinenser – allerdings auch wegen der maroden Leitungen – bloß 60.

Mit Sorge beobachtet Arie Issar, wie das Wasser die Menschen trennt, statt sie zusammenzubringen. Es provoziert neue Konflikte in einer Region, in der der Besuch des Grenznachbarn heute schon lebensgefährlich ist. Er ist seit Jahren nicht ins Westjordanland gefahren. Er geht nicht einmal unbewaffnet aus dem Haus. Der alte Professor trägt an seiner linken Hüfte ein unauffälliges braunes Gürteltäschchen mit sich herum. Er klappt den Lederdeckel auf und zieht geübt eine italienische Beretta heraus – Kaliber .22, »stets griffbereit«.

Issar ist bewaffnet, seit er 14 geworden ist. »Wissen Sie, als ich ein Jahr alt war, bin ich nur knapp mit dem Leben davongekommen. Die Familie, die uns in ihr Haus bei Jerusalem eingeladen hatte, wurde mit Messern ermordet. Wir haben damals nur überlebt, weil ich Mumps bekam. Deshalb sind wir nicht gefahren.«

Die Waffe wird er erst niederlegen, »wenn wir Frieden haben und es freundschaftliche Beziehungen zu unseren Nachbarn gibt«. Aber er wird sich dann »ein wenig hilflos« fühlen, so ohne Pistole. Sein Instinkt sage ihm, »sei nie hilflos im Angesicht eines Fanatikers, der dich mit einem Messer bedroht und ›Allahu Akbar‹ schreit. Dieses Gefühl sitzt tief. Ich kann nicht ohne meine Waffe sein.«

Im Großraum von Tel Aviv leben mehr als zwei Millionen Menschen. Die Metropole am Mittelmeer boomt, sie wächst, platzt aus allen Nähten. Sollte im Nahostkonflikt das Prinzip »Land für Frieden« umgesetzt werden, brauchen die Israelis Lebensraum. Flächen außerhalb der palästinensischen Gebiete. Aber wo sollen die Menschen siedeln? »In der Wüste.« Im Negev gibt es Land im Überfluss. Dort kann der jüdische Staat noch wachsen. Ohne enormen technischen Aufwand aber kann die brackige fossile Plörre nicht als Trinkwasser genutzt werden – noch nicht.

»Sie werden sehen«, sagt Arie Issar, während er die Beretta wieder sorgsam im Täschchen verstaut, »wir bringen die Wüste zum Blühen.« Er ist überzeugt, dass Israels technologischer Vorsprung in der Wassergewinnung die Voraussetzung für eine neue Siedlungspolitik schafft – und damit Hoffnung auf Frieden. Zu Zeiten der Römer und Byzantiner blühte diese Weltgegend schon einmal. »Zugegeben, das Klima ist heute schlechter. Aber wir haben die technischen Möglichkeiten, den Nahen Osten erneut zu begrünen. Den ganzen.« Vom Skopusberg aus freut sich Arie Issar über beste Aussichten. Für die ganze Region.

Der Mensch
Als Geologe lehrte Arie Issar drei Jahrzehnte lang am Wüstenforschungsinstitut Sde Boker, einer Außenstelle der Ben-Gurion-Universität. Noch heute ist der 78-Jährige – »Wenn ich aufhöre, falle ich tot um« – Berater der israelischen Regierung, wenn es um die Erschließung von Wasservorkommen geht. Auch zu palästinensischen Forschern pflegt er regen Kontakt. Trotz vieler Freundschaften aber mahnt ihn sein Instinkt zur Vorsicht. Er geht nie ohne Pistole aus dem Haus.

Die Idee
Die Wüste soll erblühen. Was sein Idol Ben Gurion predigte, versucht Arie Issar ein Leben lang umzusetzen. Es geht ihm dabei nicht nur um die Erschließung neuer Wasserquellen. Technische Kooperation soll auch den Frieden zwischen Palästinensern und Israelis fördern: »Wissen ist eine Ressource, die man mit Nachbarn teilen kann.« 2004 erregte Issar Aufsehen mit seinem Buch »Climate Change – Environment and Civilization in the Middle East«. Es dokumentiert den direkten Einfluss des Klimas auf Ökonomie und Migration.

hitec: Das große Beben – Istanbul

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Das große Beben Wissenschaft zwischen Präzision& Chaos

Wenn die Erde bebt, ist der Mensch hilflos. Im letzen Jahrhundert sind mehr als drei Millionen Menschen durch Erdbeben getötet worden. Allein beim Beben in Pakistan im Oktober 2005 starben fast 80.000. Niemand sah die Katastrophe kommen. Die Beben kommen zu schnell und jede Warnung zu spät. Doch bis heute kann sie niemand Erdbeben verlässlich vorhersagen. Dabei ist die Suche nach den Vorboten der Katastrophe überlebenswichtig.

Istanbul – MegaCity und Erdbebengebiet

Istanbul lebt mit einem sehr hohen Erdbebenrisiko. In der türkischen Metropole am Bosporus kann das große Beben jederzeit kommen. Mit offiziell mehr als 14 Millionen Einwohnern gilt Istanbul als MegaCity. Jedes Jahr wächst die Stadt um mindestens 250.000 Menschen. Niemand kennt die genauen Zahlen, und viele Wohngebäude wurden schnell und oftmals illegal errichtet. Wenn das Beben kommt, werden solche Gebäude zuerst zusammenstürzen.

Istanbul liegt an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Nur 15 Kilometer von der Stadt entfernt verläuft am Grund des Marmarameers eine geologische Störungszone. Hier treffen Kontinentalplatten aufeinander. Immer wieder in ihrer Geschichte wurde die Stadt von schweren Erdstößen heimgesucht. Das letzte große Beben bei Istanbul gab es vor 240 Jahren und die Frage drängst sich auf. wann sich die aufgestaute Spannung im Grabenbruch vor der MegaCity das nächste mal lösen wird? Auf diese Frage sucht die Wissenschaft eine Antwort.
Wissenschafter vom Geoforschungszentrum in Potsdam untersuchen zusammen mit türkischen Kollegen die Gefahren, die Istanbul durch ein großes Beben drohen. Die Antwort hoffen sie in den Tiefen der Marmarasee zu finden. Auf einer Insel im See steht eine seismologische Station des Kandilli Erdbebenforschungszentrums. Seit Jahren kooperieren dort deutschen und türkischen Wissenschaftler bei der Erforschung der „Nordanatolischen Seitenverschiebung“, die sich quer durch die gesamte Türkei zieht.

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Katastrophenschutz

Durch das Izmit-Beben 1999 wurden die Behörden aufgerüttelt. Das Beben deckte deutliche Mängel beim Katastrophenschutz und bei der Vorbereitung auf ein Desaster auf. Das soll sich ändern: 300 Schulgebäude werden zur Zeit in Istanbul baulich verstärkt. Und am Kandilli Observatorium werden täglich Schulklassen durch Erdbebensimulationen auf den Ernstfall vorbereitet. Die Kinder sollen in Theorie und Praxis ihr Verhalten bei Erdbeben durchspielen. Niemand kann ihnen die Angst vor der Katastrophe nehmen. Doch schon einfachste Verhaltensregeln könnten ihr Leben retten. Auf einem Erdbebentisch wird ein moderates Beben simuliert.
Die Vorbereitung der Bevölkerung auf das, was kommen mag, ist wichtig. Auch wenn die Bemühungen angesichts des Ausmaßes der Bedrohung wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein wirken. Und das erwartete Erdbeben der Stärke 7,5 auf der Magnitudenskala würde wahrscheinlich jede Regierung überfordern.
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In Istanbul ist die Katastrophenschutzbehörde AKOM für die Koordination im Falle eines großen Bebens zuständig. Studien belegen, dass eine gute Vorbereitung Menschenleben rettet. Bei einer optimalen Versorgung der Verletzen sollten 20 Prozent weniger Tote registriert werden. Und wenn in den nächsten 15 Jahren alle Neubauten in Istanbul die Bauvorschriften einhalten, würden 25 Prozent weniger Menschen ihr Leben verlieren. Selbst die Sanierung von lediglich fünf Prozent der schlimmsten Baumängel würden 15 Prozent weniger Todesopfer bedeuten. Katastrophenschutz funktioniert allerdings nicht nur im Großen, sondern besonders auch im Kleinen. Viele Familien haben im Garten einen Erdbeben-Container, in denen sich auch alles befindet, was man zu einem Neuanfang nach einem Beben benötigt.


Zur Photopage des Films

Und hier gibt es noch eine Slideshow aus Istanbul

Giganten im Packeis: Handelsschiffe auf dem Weg durchs Nordmeer

OTSO Eisbrecher

Finnische Schiffsingenieure haben neue Schiffe entwickelt, die als Tanker, Containerschiff oder Frachter fungieren und gleichzeitig auch Eisbrecher sind: sogenannte Double-Acting-Schiffe. Ein Double-Acting-Schiff, das ohne Eisbrecherbegleitung die Nordostpassage schaffen kann, kostet zwar fast das Doppelte eines konventionellen Schifftyps, trotzdem würde sich schon heute der Einsatz lohnen:

Eisbrecher im finnischen Winter

Eisbrecher sind im finnischen Winter die einzige Möglichkeit, sich durchs Polareis zu bewegen. Neun Eisbrecher halten auf der finnischen Seite des bottnischen Meerbusens die Schiffsrouten offen und befreien festsitzende Handelsschiffe aus dem Packeis. Eine davon ist die OTSO.

Doch im Hohen Norden werden die Winter milder, das Eis schmilzt und eröffnet neue Möglichkeiten: Die Nutzung der Nord-Ostpassage und der Behringstrasse verkürzt die Seerouten nach Asien um 40 Prozent. Doch noch wäre selbst für die OTSO das Packeis der Nordostpassage gefährlich. Dabei kann der Eisbrecher mit einer Spezialausrüstung aufwarten. Die Entwickler des Eisbrechers haben versucht, mit vielen Tricks die Reibung zwischen Schiffshülle und Eis möglichst gering zu halten. Der rostfreie und besonders schlüpfrige Spezialstahl durchschneidet das Eis wie eine Messerklinge.

Die OTSO ist ein Kraftpaket: Angetrieben wird sie von vier Diesel-elektrischen Maschinen. Den zwei Heckpropellern stehen über 20.000 PS zur Verfügung. Das ermöglicht dem Schiff bei einer Eisdicke von über einem halben Meter eine Geschwindigkeit von 16 Knoten. Maximal kann die OTSO eine Eisdecke von knapp anderthalb Metern durchbrechen. Damit gehört sie noch immer zu den stärksten Eisbrechern, die in der nördlichen Ostsee operieren. Entwickelt wurde das Schiff von dem finnischen Schiffsbauer, Aker Arctic.

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