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Höllenfeuer – Leben auf heißen Kohlen

Dokumentation ARTE, 60. min.

Sonntag, 12. März 2010 um 21.45 Uhr

Regie: John Kantara

India

Kohleflözbrände – für das Auge des Betrachters oft von bizarrer Schönheit, für die in den betroffenen Gebieten lebenden Menschen nicht selten tödlich. In Indien und China stellen sie eine zunehmende Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Mit der wachsenden Industrialisierung beider Staaten wächst der Hunger nach dem Rohstoff Kohle. Doch die mitunter seit Jahrzehnten schwelenden Brände sind längst außer Kontrolle geraten. Sie zu kartographieren und zu löschen, hat sich ein Expertenteam zur Aufgabe gemacht.

Kohleflözbrände sind ein globales Problem. Wenn die Kohle erst einmal unter der Erde brennt, ist sie kaum löschbar, schwer zu orten und fast nicht zu kontrollieren. Die Ursachen reichen vom Blitzeinschlag bis zur Selbstentzündung. Und die durch Kohlenbrände ausgelöste Umweltverschmutzung ist gewaltig und trägt stark zur Klimaveränderung bei: Pro Jahr pusten die Kohlefeuer alleine in China bis zu 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft – mehr als alle deutschen und französischen Automobile zusammen.

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Kohle kann sich selbst entzünden. Wo ein Flöz nahe an der Erdoberfläche liegt, reagiert die Kohle mit dem Luftsauerstoff und dabei wird Wärme frei. Kann die Wärme nicht abgeleitet werden, entsteht das Feuer spontan und brennt oft jahrzehntelang weiter. Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius lassen dann sogar Gestein schmelzen. Im Norden Chinas, dicht an der Grenze zur Inneren Mongolei, brennen in einer unwirtlichen, fast menschenleeren Wüstengegend über 750 Kohleflöze auf einer Länge von fast 5.000 Kilometern. Im Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum ist man fest entschlossen, den Kohlefeuern den Garaus zu machen. Temperatursensible Satelliten sind für das DFD im Einsatz, um die schlecht kartographierte Gegend und vor allem die Brände rund um die Helanberge als Hitzekarten sichtbar zu machen. Dabei kommen auch Infrarot- und Mikrowellensensoren zum Einsatz. Temperaturschwankungen, Bodensenkungen und Gasausstöße können so festgestellt werden. Das Ziel: Bis 2020 wollen die Chinesen mit deutscher Hilfe alle Brände geortet und gelöscht haben.

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Auch in Indien glüht das Inferno. Das Feuer nimmt sich das Land, die Häuser und die Menschen. Das Kohlerevier von Jharia und Westbengalen, knapp 300 Kilometer nordwestlich von Kalkutta, ist Indiens wichtigstes Kohlefeld und liefert den Brennstoff für 70 Prozent der indischen Stromerzeugung. Indien braucht wie China diesen Brennstoff zur Entwicklung des Landes. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine schlechtere Luftqualität. Die Menschen in dieser Gegend leben gefährlich: Seit über 100 Jahren brennen die Kohleflöze. 150 Brandherde fressen sich hier tief in die Erde, lassen Schächte einbrechen und giftige Dämpfe aus den Bodenspalten quellen. Im Dorf Samdih ist der Brand einer Kohlenhalde auf einen aufgegebenen Tagebergbau übergesprungen. Die verantwortliche Minengesellschaft hat versucht, die brennenden Flöze mit Tausenden Tonnen Schutt und Geröll abzudecken – bisher ohne Erfolg. In Samdih ist der Brand außer Kontrolle. Direkt neben der abgedeckten brennenden Halde leben Tausende Menschen vom illegalen Kohleabbau.

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Immer wieder reißen die Menschen die Lagerstätte auf, um an die Kohle zu kommen – ideale Voraussetzungen, um den Flözbränden neue Nahrung zu geben. Nun ist das Dorf am Rand des Tagebaus massiv in Gefahr. Sollen die Häuser der Menschen gerettet werden, braucht die Minengesellschaft Hilfe.
Der Geologe Dr. Hartwig Gielisch ist Kohlebrandexperte der Deutschen Montan Technologie in Essen und erforscht gezielt Möglichkeiten zur Bekämpfung von Kohlebränden. Fernerkundung mit Satelliten ist in Indien kaum einsetzbar. In dem dicht besiedelten Gebiet überlagern die menschlichen Aktivitäten, Kochstellen, Heizungen und ähnliches die Infrarotdaten eventueller Brände, die der Satellit aufzeichnet. Deshalb erkunden die DMT-Ingenieure die Flöze vor Ort mit Infrarotsensoren – vom Hubschrauber aus, auf mühseligen Fußmärschen über heiße Halden, durch Messsonden in Bohrlöchern. Mit Hightechinstrumenten wird genau vermessen, wo man die Löcher für die Brandbekämpfung am besten bohren kann. Dann kommt der Löschtrupp zum Einsatz: An den markierten Punkten wird das Gelände präzise angebohrt und Wasser zum Brandherd geleitet. Kann Samdih gerettet werden?

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