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ZDF Abenteuer Wissen – Gute Gifte – Böse Gifte

Mittwoch, 11.02.2009 22:15 – 22:45 Uhr

VPS 11.02.2009 22:15

Es ist mal wieder soweit. Für die Sendung „Abenteuer Wissen“ habe ich diesmal zwei Beiträge realisieren dürfen. Unglaublich was die Natur an potenten Giften produziert: Ob bakterielles Gift wie Botulimumtoxin oder das Gift der marinen Kegelschnecke – Wirkstoffe die der Mensch benutzt, ohne wirklich zu verstehen wie genau das Gift „funktioniert“. Die Anwendungsmöglichkeiten sind jedenfalls beeindruckend. Gifte bedeuten seit Urzeiten Gefahr und Macht. Wo Gifte im Spiel sind, hat man es mit perfiden Tätern zu tun – oder mit gewieften Wissenschaftlern, aber nur selten mit Laien. Wer Wissen über Gift hat, kann über Leben und Tod bestimmen, manchmal auch über Heilung. Denn immer kommt es auf die Dosis an und darauf, mit welcher Intention man die Stoffe einsetzt: Gifte sind Fluch und Segen zugleich.

Viel Spaß bei der Sendung wünscht John A. Kantara

Die Botoxfalle


Eine der gefährlichsten Substanzen der Welt ist das starke Nervengift Botulinumtoxin, mit dem Potenzial, hunderttausende Menschen in kurzer Zeit zu eliminieren. So gefährlich, dass im Krisenfall Experten der ABC-Schutztruppe zum Einsatz kommen würden.

Erstaunlicherweise gilt das gleiche Gift in geringerer Konzentration unter dem Namen Botox in der kosmetischen Industrie als unbedenklich. Marina A. lässt sich Botox stark verdünnt in die Stirn spritzen lässt, um ihre Falten zu glätten – wie Millionen von Frauen. Sie hat sich sogar eine „Botox-Flatrate“ gesichert, das heißt: Für 600 Euro kann sie ein Jahr lang zur Behandlung kommen so oft sie will.

Vor gesundheitlichen Schäden brauche sie keine Angst zu haben, sind die behandelnden Ärzte überzeugt. Denn das Gift wirke nur gezielt an der Injektionsstelle. Einige Forscher glauben gar, dass das Nervengift in vielen Bereichen heilend wirksam ist, etwa bei Tinnitus, Kinderlähmung oder Epilepsie. Und es wird auch schon als Medikament eingesetzt, etwa bei Spasmen.

Neue Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass Botox auch in geringer Dosis gefährlich sein kann – die Rede ist von Sucht und Toten. Der Neurologe Mateo Caleo stellte an Versuchen mit Labormäusen fest, dass auch stark verdünntes Botox sich im Körper verteilen kann. Die Folgen können bislang kaum eingeschätzt werden.

Der Spinnenfarmer

Ein abgelegener Wüstenort in Arizona. Chuck Kristensen ist mit seiner Frau Anita in der Wüste unterwegs und schaut unter Steine – auf der Suche nach Giftspinnen, Skorpionen, Tausendfüßlern. Kristensen will sie unversehrt einfangen und muss dabei aufpassen, nicht gebissen zu werden. Er betreibt die wohl größte Spinnenfarm der Welt. Ca. 70.000 giftige Tiere tummeln sich in den Räumen der „Spiderpharm“, darunter Taranteln, Einsiedlerspinnen, Skorpione.

Die exotische Sammlung ist pures Geld wert: Spinnengift ist für Wissenschaft und Pharmakonzerne ein begehrter Rohstoff – schon kleinste Mengen sind extrem wertvoll. Um einen einzigen Tropfen (50 mikroliter) Gift zu gewinnen, bedarf es je nach Spinnenart durchaus 50.000 Melkungen. Die hochgiftigen Sekrete dienen der Herstellung neuartiger Schmerzmittel und Antibiotika. Neue und wirksamere Medikamente gegen Herz- und Hirnschlag sowie Epilepsie-Blocker sind bereits in der Anwendung.

Allzu leicht ist dieses Geld jedoch nicht zu verdienen. Um den Tieren ihr kostbares Giftsekret zu entlocken, müssen sie aufwändig und mühselig „gemolken“ werden. Auch die Zucht von weiteren Tieren ist eine komplizierte, langwierige Arbeit. Denn damit die Spinnen sich nicht gegenseitig auffressen, muss jedes Tier isoliert aufgezogen werden.

1 comment on “ZDF Abenteuer Wissen – Gute Gifte – Böse GifteAdd yours →

  1. Als Neurobiologe interessiert mich die Geschichte mit Botox und Spasmen natürlich mehr als die Faltenglättung.

    Spritzen mit Botulinumtoxin A verhindern die Gelenkfehlstellung und verbessern die Motorik bei spastisch gelähmten Kleinkindern.. Bei der sogenannten Multi-Level-Therapie wird Botox in die verschiedenen betroffenen Muskelgruppen gleichzeitig gespritzt. Botox dämpft die überaktiven Muskeln. Die Muskeln werden weich und dehnbar, so dass sie wachsen können und die Kinder zugleich lernen, sich in aufrechter Haltung ohne eingeknickte Knie und Fuß-Fehlstellungen fortzubewegen. Die Wirkung hält in der Regel drei Monate an, dann hat der Körper das in extrem niedriger Dosierung verabreichte Botox wieder abgebaut. Die Behandlung muss also mehrmals wiederholt werden. Für die behandelten Kinder konnten mit der Therapie sichtbare Verbesserungen erreicht werden. Vielleicht sollte man die reichen „Botox-Face-Lift-Frauen“ mal mit den Familien dieser spastisch gelähmten Kinder zusammenbringen da ich nicht sicher bin ob die Krankenkassen diese Behandlungen bezahlen.

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